Mit Bildern Mut machen

Ursula Wirth stellt noch bis Juli in der Geriatrischen Rehabilitation der Kreisklinik Berchtesgaden aus

Veröffentlicht im Reichenhaller Tagblatt, 17.02.2017

Berchtesgaden – Sie möchte den Patienten in der Geriatrischen Rehabilitation der Kreisklinik Berchtesgaden mit ihren Bildern Mut machen: Ursula Wirth malt ausdrucksstark und in starken Farben. Noch bis Juli hängt eine Auswahl von 22 ihrer Werke in den Fluren der Station unter der Leitung von Chefarzt Dr. Klaus Esch. „So haben die Patienten immer wieder Gelegenheit, bei den Bildern innezuhalten“, sagt die Malerin. Dass das erste Exponat ihrer Ausstellung den Titel „Aufbruch“ trägt, kommt nicht von ungefähr.

Ursula Wirths Bilder sind ganz eng mit ihrer persönlichen Geschichte verknüpft. Foto: Berwanger

„Die hier im Krankenhaus ausgestellten Bilder sind ein kleiner Ausschnitt aus den Jahren seit 2009, als meine ‚MalZeit‘ begann“, erklärt Ursula Wirth. Jedes ihrer Bilder zeuge seither von einer „heilsamen Verlangsamung.“ Denn vor acht Jahren erlitt die heute 52-Jährige einen Schlaganfall und auch noch „andere verschiedene heftige Krankheitsphasen in ungeahnter Intensität.“ Auf einen Schlag habe sie ihre neue, schmerzvolle Seite kennengelernt, berichtete die Malerin im Rahmen einer kleinen Vernissage bei Kaffee und Kuchen den Patienten der Geriatrischen Rehabilitation. Diese von Erkrankungen und den damit verbundenen Ängsten geprägte Zeit sei auch eine Zeit des Umbruchs und „des Aufbruchs ins Ungeahnte“ gewesen. Ursula Wirth, bis dahin evangelische Pfarrerin in Oberfranken, ließ sich in den vorzeitigen Ruhestand versetzen und arbeitet nur noch ehrenamtlich in der evangelischen Stadtkirchengemeinde Bad Reichenhall mit. In der Kurstadt lebt sie seit drei Jahren, ihr Mann ist dort „als 1. Pfarrer tätig.“ Und vor allem: Sie entdeckte das Malen „als kreativen Lebensausdruck“ für sich.
„Ich male intuitiv, mal mehr konkret, mal ganz abstrakt, wie es kommt, niemals wissend oder planend, was kommen wird“, sagt Ursula Wirth. „Dabei befreie ich mich immer wieder neu von allerlei ‚Bewerterei‘, das bringt mich in die Gegenwart.“ Den Moment zu leben und zu genießen, habe sie die Krankheit wieder neu gelehrt, so die Mutter fast erwachsener Kinder. „Das war eine Chance zu einem ganz bewussten Leben, sie beginnt mit jedem noch so kleinen Ein- und Ausatmen“, berichtete die Malerin, die sich beim Umgang mit Pinsel und Farbe auch von ihrem Atem leiten lässt. Leben sei für sie „mit jedem Atemzug Geschenk. Kein Atemzug ist selbstverständlich.“ Das Geheimnis des eigentlichen Lebens liege für sie „im Erleben der Gegenwart, nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft: „Siehe, jetzt ist die Zeit …!“ Dieses Zitat aus einem Brief des Apostels Paulus an die Korinther ist auch der Titel der Ausstellung. Dass diese die Menschen zum Innehalten und gemeinsamen Austausch einlädt, hofft Ursula Wirth. „Wenn man krank ist, ist es wichtig, wieder bei sich anzukommen und zur Ruhe zu finden“, erklärte sie den Gästen der Vernissage. Ina Berwanger
 

 

Ina Berwanger 

Freie Journalistin

 

 

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